An der Sonnenuhr (Wohngebiet)

Stadtteil: Kaarst

Ehemaliges Gelände der Düngemittelfabrik H.Stodiek & Cie AG zwischen der Neersener Straße und der Industriestraße

 

„An der Sonnenuhr“ ist ein in sich abgeschlossenes Wohngebiet auf dem ehemaligen Gelände der Düngemittelfabrik H.Stodiek & Cie AG zwischen der Neersener Straße und der Industriestraße. Ursprünglich war dies ein Waldstück, das auch als „Michelsgemeinde“ bezeichnet wurde. Im Volksmund hat sich der Name „Mobisgemeinde“ erhalten. Dies lässt den Schluss zu, dass dieses Waldstück der Familie Mobis gehörte.

1905 errichtete die Firma Stodiek hier eine Düngemittelfabrik und produzierte bis 1992 Mineraldünger für die Landwirtschaft. Nach Abriss der Fabrik entstanden hier ab 2002 auf dem ca. 60.000 qm großen Areal in drei Bauabschnitten Doppel- und Reihenhäuser.[1] Mit dem Bau der Häuser wurden gleichzeitig Verweilplätze, Grünflächen und auch ein Kinderspielplatz angelegt. Bauherr war die Stodiek Europa Immobilien AG, ein Unternehmen der IVG Holding aus Bonn[2], die auch Namensgeber des Wohngebietes ist. Die im Plan vorgesehene Errichtung einer Sonnenuhr ist jedoch nicht erfolgt.

Planung der Düngemittelfabrik Stodiek, hier Ausschnitt aus der bearbeiteten Urkatasterkarte von Kaarst und Büttgen, 1904 (StA Kaarst Zug. Nr. 190/2015 Nr. 395)
Planung der Düngemittelfabrik Stodiek, hier Ausschnitt aus der bearbeiteten Urkatasterkarte von Kaarst und Büttgen, 1904 (StA Kaarst Zug. Nr. 190/2015 Nr. 395)
Luftaufnahme der Düngemittelfabrik Stodiek an der Neersener Straße um 1960 (StA Kaarst D3-3 Nr. 317)
Luftaufnahme der Düngemittelfabrik Stodiek an der Neersener Straße um 1960 (StA Kaarst D3-3 Nr. 317)

In der Siedlung befinden sich die nachfolgend beschriebenen Straßen:

Stodiekring

Friedrich-Ebert-Straße

Leibnizstraße

Stodiekring

Stadtteil: Kaarst

Amtlich benannt: am 22. März 2001 durch den Rat der Stadt Kaarst

Früherer Verlauf: ehemaliges Werksgelände 

Heutiger Verlauf: Zufahrt über die Neersener Straße und ringförmiger Verlauf innerhalb des Wohngebietes

Länge: 777m

 

Reklame der Fa. Lanz von 1926 für Lokomobile
Reklame der Fa. Lanz von 1926 für Lokomobile

Benannt wurde die Ringstraße nach der Düngemittelfabrik H.Stodiek & Cie AG. Das Unternehmen wurde 1875 in Löhne gegründet. Das Werk in Kaarst entstand 1905 an der Neersener Straße (ehemals B 7). Es verfügte über einen eigenen Bahnanschluss auf der anderen Seite des Nordkanals, der über eine Brücke mit dem Werk verbunden war. So konnten Rohstoffe und Fertigprodukte per Bahn an- und abtransportiert werden. Über eine Drehscheibe konnten mehrere Gleise im Werk angeschlossen und so die entsprechenden Ladezonen erreicht werden. Für den Antrieb der Maschinen im Werk nutzte die Firma zwei Dampflokomobile, die über Transmissionswellen und Riemenscheiben die Maschinen in Bewegung setzten.

Die Herren Wimmers, Junkers und Hüsen 1923 vor dem Doppelzylinder-Lokomobil, mit dessen Hilfe Maschinen angetrieben wurden (StA Kaarst D3-3 Nr. 318)
Die Herren Wimmers, Junkers und Hüsen 1923 vor dem Doppelzylinder-Lokomobil, mit dessen Hilfe Maschinen angetrieben wurden (StA Kaarst D3-3 Nr. 318)

Vor der Mechanisierung arbeiteten in der Hauptauslieferzeit im Frühjahr bis zu 300 Arbeiter an der Produktion von Phosphatdünger für die Landwirtschaft. Eine Erlaubnis der britischen Militärregierung vom 25. März 1946 zeigt, dass nach dem Zweiten Weltkrieg monatlich 2250 Tonnen Dünger hergestellt werden durften. Dazu war die Einstellung weiterer Arbeiter erforderlich.

Genehmigung der Militärregierung zur Herstellung von 2250 Tonnen Phosphatdünger pro Monat
Genehmigung der Militärregierung zur Herstellung von 2250 Tonnen Phosphatdünger pro Monat

Während der letzten beiden Kriegsjahre befand sich auf dem Werksgelände eine Panzerreparaturwerkstatt der Division „Windhunde“. Mit der Mechanisierung ging die Anzahl der Arbeiter zurück. So hatte die Firma bis zu ihrer Schließung 1992 ständig etwa 80 Arbeiter. Deren Mittagspause und der Feierabend um 16 Uhr wurden mit einer Dampfpfeife angezeigt. Der laute Pfiff war auch in der Umgebung zu hören und auch da richteten sich die Bewohner nach dem Ton. So hieß es dann: „ Öt hätt jetüt, lommer äete jon.“ Oder auch: „Öt es Fierovend.“[3] Fast 90 Jahre war die Düngemittelfabrik in Kaarst ansässig und der größte Arbeitgeber des heutigen Ortsteils Kaarst. Am 10. Mai 2001 wurde der Schornstein, ein Kaarster Wahrzeichen, gesprengt und das Werksgelände nach der Entsorgung von rund 12.000 Tonnen Altlast[4] als Baugebiet aufgelegt.

Der Zugang zum Stodiekring erfolgt über die Neersener Straße. Der Ring selbst ist in einem Viereck angelegt. Von der nördlichen Achse führen Fußwege auf die Industriestraße. Die westliche und die östliche Achse sind etwa auf der Hälfte durch die Friedrich-Ebert-Straße verbunden. Der Ring ist beidseitig bebaut und verfügt über einen Bürgersteig an einer der Fahrbahnseiten.

Blick vom Stodiekring in den für den Verkehr gesperrten Verbindungsweg zur Friedrich-Ebert-Straße und weiter zum Stodiekring (StA Kaarst D3-3 Nr. 333)
Blick vom Stodiekring in den für den Verkehr gesperrten Verbindungsweg zur Friedrich-Ebert-Straße und weiter zum Stodiekring (StA Kaarst D3-3 Nr. 333)

Friedrich-Ebert-Straße

Stadtteil: Kaarst

Amtlich benannt: am 22. März 2001 durch den Rat der Stadt Kaarst

Verlauf: Verbindung zwischen zwei Achsen des Stodiekrings

Länge: 200m

 

Die Straße wurde benannt nach Friedrich Ebert (4. Februar 1871 – 28. Februar 1925). Ebert war gelernter Sattler, bevor er als Mitglied der SPD in die Politik wechselte und 1912 Mitglied des Reichstags wurde. 1913 übernahm er den Vorsitz der Partei. Am 11. Februar 1919 wurde er von der Nationalversammlung zum ersten Reichspräsidenten der Weimarer Republik gewählt, ein Amt, das er bis zu seinem Tod am 28. Februar 1925 ausübte.[5]

Die nach ihm benannte Straße im Wohngebiet „An der Sonnenuhr“ verbindet zwei Achsen des Stodiekrings und ist beidseitig bebaut. Als Friedrich-Ebert-Weg bezeichnet ist ein fußläufiger Weg mit breiten Grünflächen an beiden Seiten, der rechtwinklig zur eigentlichen Straße von Nord nach Süd verläuft. Der Fußweg verbindet die entgegengesetzten Achsen des Stodiekrings und führt im Norden auf die Industriestraße.

Leibnizstraße

Stadtteil: Kaarst

Benannt am: 22. März 2001 durch den Rat der Stadt Kaarst

Verlauf: Stichstraße von „Am Bisgeshof“ in südlicher Richtung in ein Wohngebiet.

Länge: 268m

 

Namensgeber der Straße ist Gottfried Wilhelm Leibniz(1646 – 1716). Er wird als Universalgelehrter bezeichnet, da er in vielen Wissenschaftsgebieten bewandert war, hauptsächlich in Philosophie und Mathematik. Er war politischer Berater und Diplomat. Er gilt als Erfinder der ersten mechanischen Rechenmaschine und entwickelte neben der Integral- und Differentialrechnung das Dualsystem, Grundlage der modernen Computertechnik.[6]

Das Wohngebiet entlang der Straße wurde auf ehemaligem Buschgelände und einer alten Sandgrube errichtet. Die Sandgrube wurde 1905 ausgehoben und der Sand für den Bau der Düngemittelfabrik Stodiek verwendet. Über einen Zeitraum von fast 100 Jahren entwickelte sich aus der mit Wasser vollgelaufenen Grube ein Biotop, in dem Wildenten und in den 1960er Jahren sogar Schwäne zu Hause waren. Dieses Biotop musste der Bebauung weichen.

Die Leibnizstraße, nur von der Straße „Am Bisgeshof“ zu erreichen, ist eine reine Anliegerstraße, die zwei kurze Stichstraßen in östlicher Richtung als Zufahrten zu weiteren Wohneinheiten besitzt. Sie endet in einem Wendeplatz. Ein fußläufiger Weg verbindet die Leibnizstraße mit dem Stodiekring. Zwischen den Häusern an diesen beiden Straßen befindet sich eine Grünanlage mit einem Fußweg.                                                                                

Grünanlage mit Fußweg zwischen den Bauabschnitten Stodiekring und Leibnitzstraße (StA Kaarst D3-3 Nr. 316)
Grünanlage mit Fußweg zwischen den Bauabschnitten Stodiekring und Leibnitzstraße (StA Kaarst D3-3 Nr. 316)

 

04.06.2018

 


 

[1] RP Online vom 19. Mai 2012

[2] NGZ Online vom 20. Oktober 2000

[3] Erinnerungen des Hans Hüsen, Werksleiter der Fa. Stodiek

[4] RP Online vom 19. Mai 2012

[5] Helmut M. Müller, Schlaglichter der deutschen Geschichte, Bundeszentrale für politische Bildung, 1988, S. 231 ff

[6] Brockhaus – Die Enzyklopädie, Leipzig 2001, Band 13, S. 244

 

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