Glehner Straße

Stadtteil Büttgen

amtlich benannt am 25. Mai 1906 durch den Rat der Gemeinde Büttgen

Umbenennung: die Glehner Straße wurde laut Ratsbeschluss vom 17. Oktober 1933 von der Neußer Straße bis zur Grefrather Straße in Hermann-Göring- Straße umbenannt. Von der Grefrather Straße bis zum Felshof behielt die Straße den Namen Glehner Straße.

Umbenennung in Glehner Straße am 11. Dezember 1946.

Heutiger Verlauf: vom Rathausplatz, vorbei am Berliner Platz, über die L381 bis zur Stadtgrenze Korschenbroich.

Länge der Straße: 576 m

Die Umbenennung wurde notwendig, weil die alliierte Kontrollbehörde die Anweisung Nr. 38 gegeben hatte. Diese besagte, dass alle bestehenden Gebäude, Denkmäler, Statuen und Straßenschilder, die geeignet sind, die deutsche militärische Tradition zu bewahren und lebendig zu erhalten und an die Nazipartei erinnern, als ungesetzlich erklärt und zu entfernen sind.[1]

Die Glehner Straße ist nach dem Ortsteil Glehn der Stadt Korschenbroich benannt. Sie führte von der Ortsmitte Büttgens bis Glehn und war in den 1950er Jahren eine Schotterstraße. Die heutige Beschaffenheit der Straße ist Asphalt, es gibt beidseitig der Straße Bürgersteige und Regenablaufrinnen. Sie verläuft in einer Rechtskurve und weiteren Linkskurve, die L381 an der Ampelanlage überquerend, in Richtung Glehn.

In der Franzosenzeit, von 1794 bis 1814, war in Büttgen auf der Glehner Straße — wie im übrigen auch in Holzheim und Osterath — eine mobile Zollstation. Die Arbeit der Zöllner war zu der Zeit schwierig, denn oft wurden sie in Gefechte mit den Schmugglern verwickelt. Zöllner hatten auch einen schlechten Ruf, denn man sagte ihnen nach, dass sie den Schmuggel selber förderten, um sich zu bereichern. Auch im Umgang mit den Schmugglern waren sie nicht gerade zimperlich. Sie behielten mitunter einen Teil der geschmuggelten Waren für den eigenen Bedarf.[2]

An der Glehner Straße waren landwirtschaftliche Betriebe, Handwerker und Einzelhändler  ansässig. Auf der westlichen Seite war die Metzgerei Theodor  Bausch. Er war Bürgermeister Büttgens von 1951 bis 1961. Pächter der Metzgerei waren Jakob Hambloch und Fritz Maaßen. Maaßen war der letzte Pächter und spätere Eigentümer. Zwischen der Metzgerei und den Stallungen der Landwirtschaft Dammer, deren Wohnhaus  an der Neußer Straße/ Ecke Glehner Straße lag, führte ein schmaler Weg in den Hof, über den nur Schweine ins Schlachthaus geführt werden konnten. Größere Schlachttiere wie Kälber und Rinder mussten über den Flur und dann durch die Küche des Hauses zum Schlachthaus  gebracht werden, weil der Weg zum Hof zu eng war für die größeren Schlachttiere. Nebenan war das Haus von Wilhelm Bodewig, der mit Milch und anderen Molkereiprodukten handelte.

Hier auf der Glehner Straße hatte auch Frau Luise Deussen ihren Tabak-, Spirituosen- und Süßwarenladen. Direkt neben dem Laden stand das Wohnhaus mit der Stellmacherei von Johann Sandkaulen. Er war Oberbrandmeister und Feuerwehr-Chef von 1953 bis 1967 für den Löschzug Büttgen. Dr. Alfred Kühnöhl, in dieser Zeit der einzige Zahnarzt in Büttgen, betrieb seine Praxis im Haus der Familie Sandkaulen. Die Jahreszahlen, wann der Einzug und Auszug der Praxis war, lassen sich leider nicht feststellen.

Das Haus  der Stellmacherei Johann Sandkaulen und Zahnarztpraxis Dr. Kühnöl. Rechts im Bild das Geschäft von Luise Deussen (Stadtarchiv Kaarst D 3-3 Nr. 715)
Das Haus der Stellmacherei Johann Sandkaulen und Zahnarztpraxis Dr. Kühnöl. Rechts im Bild das Geschäft von Luise Deussen (Stadtarchiv Kaarst D 3-3 Nr. 715)

Es folgten die Kohlenhandlung von Fritz Schnitzler und das Geschäft von Gretchen Nover mit Wäsche, Schreibwaren und einer Leihbücherei.

Im Haus der Familie Seitz war ein Lebensmittelgeschäft mit sakralen Artikeln. Das Haus bildete den Schluss der Geschäftszeile. Die Familie Seitz war eine Küster- und Organisten-Familie, die diesen Beruf 153 Jahre lang, von 1774 bis 1927, ausübte.

Haus Seitz in den 1920er Jahren (Stadtarchiv Kaarst D 3-3 Nr. 802)
Haus Seitz in den 1920er Jahren (Stadtarchiv Kaarst D 3-3 Nr. 802)
Das Haus 2016 (Stadtarchiv Kaarst D 3-3 Nr. 996)
Das Haus 2016 (Stadtarchiv Kaarst D 3-3 Nr. 996)

Die Straße verläuft in einer Rechtskurve in westlicher Richtung. Es folgen noch zwei weitere Häuser bis zur Gartenstraße, die auf die Gladbacher Straße führt. Das nächste Grundstück unter der Hausnummer 26 war die Villa Mayer-Rolshoven mit einer großen Parkanlage. Die Villa wurde1895 von dem damaligen Besitzer des Rittergutes Birkhof, Arnold Weidenfels errichtet. Nach seinem Tod übernahm die Familie Mayer-Rolshoven das Anwesen. Die Villa wurde 1972/1973 abgebrochen. Der neue Eigentümer, die Rheinmetall eGmbH Düsseldorf, errichtete hier ein Altenwohnheim. Im weiteren Verlauf der Straße befand sich das Stuckgeschäft von Theodor Schnitzler. Als letztes Haus am Ortsausgang befand sich das Anwesen der Familie Lemm-Hambloch. Es wurde im Jahre 2010 abgebrochen. Auf dem Grundstück entstand ein großes Mehrfamilienhaus.                                                                                       

Auf der Ostseite der Straße standen folgende Häuser: das alte Schrills-Haus; hier wohnte Familie Matthias Schüller. Er war Brudermeister der St. Matthias-Bruderschaft Büttgen. Nebenan wohnte der Dachdeckermeister Alfred Krause; des Weiteren das Haus von Adam Schrills, der mit Butter, Eier und Käse handelte. Dann folgte der landwirtschaftliche Betrieb von Püllen-Coenen. Daran anschließend folgten die Häuser der Familien Pesch und Dicken, die allerdings im Zuge der Neuaufstellung des 1968 aufgestellten Bebauungsplanes, der hier einen Verbindungsweg zwischen Glehner- und Kölner Straße auswies, abgebrochen wurden. Nebenan war das Haus von Andreas Schmitz. Er war Kirchenschweitzer und besorgte das Beiern zu besonderen kirchlichen Anlässen. Er war auch langjähriger Zeitungsbote der Neuß-Grevenbroicher-Zeitung. Im nächsten Haus wohnten die Geschwister Heinrich und Anna Leßmann. Heinrich Leßmann war Viktualienhändler, auch „Kiepebuer“ genannt. Er nahm Gemüse und Blumen der Büttgener Privatleute, oft in der Kiepe auf dem Rücken tragend, mit und verkaufte diese Ware auf dem Düsseldorfer Großmarkt. Anna Leßmann war langjährige Leiterin der Allgemeinen Ortskrankenkasse Neuß-Land - zu dieser Zeit etwas Außergewöhnliches für eine Frau. Daran schließt sich das Haus der Familie Roeben an. Dann folgte das Anwesen von Weger-Sandkaulen-Stump, auch „Döbbisch Eck“ genannt. Vorheriger Besitzer war der Zahnarzt Dr. Düppers, der seine Praxi in Neuss hatte. Dieser wurde von den Büttgern mundartsprachlich „Döbbisch“ genannt. Gottfried Kremer aus den Büttger Buscherhöfen verkaufte bis 1946 unter dem Torbogen der „Döbbisch Eck“ Milch und versorgte so in den Kriegsjahren die Bevölkerung. Von 1974 bis 1983 wurde von Heinz Sandkaulen auf dem Anwesen von Gottfried Stump Sauerkraut hergestellt. 2013 wurden die Gebäude der „Döbbisch Eck“ abgebrochen und es entstand ein großes Objekt mit Eigentumswohnungen. Es nennt sich heute „Büttgen Eck“.

„Döbbisch Eck“ vor dem Abriss 2013 (Stadtarchiv Kaarst D 3-3 Nr. 994)
„Döbbisch Eck“ vor dem Abriss 2013 (Stadtarchiv Kaarst D 3-3 Nr. 994)
Das neue“Büttgen Eck“2016 (Stadtarchiv Kaarst D 3-3 Nr. 993)
Das neue“Büttgen Eck“2016 (Stadtarchiv Kaarst D 3-3 Nr. 993)

26.11.2018


 

[1] Stadtarchiv Kaarst Nr. 3.093, Anweisung Nr. 38 der alliierten Kontrollbehörde. 

[2] Bettina Holleczek, Junger Zoll-Leutnant auf Heimweg erfroren, in: NGZ (24.12.2001).

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